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<title>Hadd-Strafe</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Hadd-Strafe</span></h1>
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</div>
<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr">
<p><b>Hadd-Strafen</b> (<a href="Arabische_Sprache" title="Arabische Sprache">arabisch</a> <bdo dir="ltr"><bdi dir="rtl" lang="ar" class="arabic spanAr" style="unicode-bidi:isolate;font-size:120%;">حد</bdi></bdo>, <a href="DIN_31635" title="DIN 31635">DMG</a> <i><span lang="ar-Latn" style="font-style:italic">ḥadd</span></i> ‚Grenze‘, Plural <bdo dir="ltr"><bdi dir="rtl" lang="ar" class="arabic spanAr" style="unicode-bidi:isolate;font-size:120%;">حدود</bdi></bdo>, <a href="DIN_31635" title="DIN 31635">DMG</a> <i><span lang="ar-Latn" style="font-style:italic">ḥudūd</span></i>) sind nach dem <a href="Islam" title="Islam">islamischen</a> Recht Strafen, die zum Schutz des Eigentums, der öffentlichen Sicherheit und der öffentlichen Moral verhängt werden und als „Rechtsansprüche Gottes“ (<i>ḥuqūq <a href="All%C4%81h" class="mw-redirect" title="Allāh">Allāh</a></i>; Singular <i>ḥaqq Allāh</i>) gelten.<sup id="cite_ref-johansen-386_1-0" class="reference"><a href="#cite_note-johansen-386-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Delikte, die diesen Strafen unterliegen, sind außerehelicher Geschlechtsverkehr (<a href="Zin%C4%81" title="Zinā">Zinā</a>), falsche Bezichtigung des außerehelichen Geschlechtsverkehrs (<i>qaḏf</i>), Alkoholkonsum (<i>šurb al-ḫamr</i>), Diebstahl (<i>sariqa</i>) und Straßenraub (<i>ḥirāba</i>, <i>qaṭʿ aṭ-ṭarīq</i>).
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Begründung_und_Anwendung"><span id="Begr.C3.BCndung_und_Anwendung"></span>Begründung und Anwendung</h2></div>
<p>Die muslimischen Juristen erklären die Charakterisierung der Hadd-Strafen als „Rechtsansprüche Gottes“ damit, dass ihre Durchsetzung nicht im Interesse einer Privatperson erfolge, sondern ausschließlich im Interesse der Allgemeinheit liege.<sup id="cite_ref-johansen-386_1-1" class="reference"><a href="#cite_note-johansen-386-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Zweck dieser Strafen sei nicht der Schadensausgleich, sondern die Abwendung von Schaden durch Abschreckung (<i>zaǧr</i>).<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Aus diesem Grund haben die Obrigkeit oder ein Richter, sobald ihnen die Tat erst einmal ordnungsgemäß zur Kenntnis gelangt ist, auch nicht das Recht, auf die Bestrafung zu verzichten. Umgekehrt kann für Vergehen, die mit einer Hadd-Strafe gesühnt sind, nicht gleichzeitig eine privatrechtliche Entschädigung beantragt werden.<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Für die Strafhöhe und die Frage, ob eine Hadd-Strafe überhaupt verhängt werden darf, ist zumeist der rechtliche und religiöse Status der Delinquenten ausschlaggebend. Die volle Härte dieser Strafen trifft nur den freien Muslim und die freie Muslimin, während bei Nicht-Muslimen und Sklaven die Strafe abgemildert ist.<sup id="cite_ref-johansen-390ff_4-0" class="reference"><a href="#cite_note-johansen-390ff-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Aufgrund einer Tradition, die dem Propheten <a href="Mohammed" title="Mohammed">Mohammed</a> zugeschrieben wird, wurden die Hadd-Strafen in vormoderner Zeit nur restriktiv angewendet. Die Tatbestandsdefinitionen waren eng, die Anzeigefristen kurz: Ein Fall musste innerhalb eines Monats angezeigt werden. Des Weiteren bestanden einige Hürden in Bezug auf die notwendige Zahl und Beschaffenheit von Belastungszeugen. Aussagen von Frauen waren zum Beispiel nicht erlaubt. All dies führte dazu, dass manche <i>hudud</i> fast nur durch ein <a href="Gest%C3%A4ndnis" title="Geständnis">Geständnis</a> entstehen konnten. Geständnisse mussten allerdings immer vor dem Richter abgelegt werden, damit sie gültig waren.<sup id="cite_ref-johansen-390ff_4-1" class="reference"><a href="#cite_note-johansen-390ff-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Jedoch konnten Geständnisse bei <i>hudud</i> im Allgemeinen widerrufen werden, und der <a href="Kadi" class="mw-redirect" title="Kadi">Kadi</a> hatte den Angeklagten auf diese Möglichkeit hinzuweisen. Ein Grundgedanke bei den Hadd-Strafen war, dass nur derjenige bestraft werden soll, der die Strafe auf sich nehmen will. Darin kam der Sühnecharakter dieser Strafen zum Ausdruck.<sup id="cite_ref-5" class="reference"><a href="#cite_note-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> In der Moderne hat sich dieses Verständnis der Hadd-Strafen dagegen zum Teil verändert.<sup id="cite_ref-6" class="reference"><a href="#cite_note-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Strafen_für_Einzelvergehen"><span id="Strafen_f.C3.BCr_Einzelvergehen"></span>Strafen für Einzelvergehen</h2></div>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Unzucht_und_Ehebruch">Unzucht und Ehebruch</h3></div>
<p>Außerehelicher, ohne Zwang ausgeübter Geschlechtsverkehr von mündigen, geistig gesunden, nicht miteinander verheirateten Personen wird laut Koran (<a href="An-N%C5%ABr" title="An-Nūr">Sure 24,2-3</a>) mit hundert Peitschenhieben bestraft, die Überlieferung fordert für Verheiratete (<a href="Ehebruch" title="Ehebruch">Ehebruch</a>) die <a href="Steinigung" title="Steinigung">Steinigung</a>. War der Mann verheiratet, die Frau aber nicht, so soll sie im Haus eingesperrt werden, „bis der Tod sie abberuft oder Gott ihr einen Ausweg schafft“ (<a href="An-Nis%C4%81'" class="mw-redirect" title="An-Nisā'">Sure 4,15</a>). War der Mann unverheiratet, die Frau aber verheiratet, so soll er für ein Jahr verbannt werden und die Frau 100 Peitschenhiebe erhalten.<sup id="cite_ref-7" class="reference"><a href="#cite_note-7"><span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Weder Schwangerschaft bei Frauen noch ein <a href="Abstammungsgutachten" title="Abstammungsgutachten">Vaterschaftstest</a> bei Männern konstituiert nach der Ansicht der Mehrheit islamischer Rechtsgelehrter einen ausreichenden Beweis für Unzucht. Begründet wird dies mit der Vorschrift, die Hadd-Strafen beim leisesten Zweifel nicht anzuwenden. So soll einem <i><a href="Hadith" title="Hadith">Hadith</a></i> zufolge <a href="Ali_ibn_Abi_Talib" class="mw-redirect" title="Ali ibn Abi Talib">Ali ibn Abi Talib</a> eine schwangere Frau gefragt haben, ob sie vergewaltigt worden sei. Als sie dies verneinte, schloss er mit: „Vielleicht hat dich ja jemand im Schlaf vergewaltigt“. Die <a href="Malikiten" class="mw-redirect" title="Malikiten">malikitische Rechtsschule</a> macht hier eine Ausnahme: Ihr zufolge sei eine schwangere Frau, die durch Zeugenaussagen belastet wurde, zu bestrafen, wenn kein Beweis für eine Vergewaltigung vorliege. Die Beweislast liegt in diesem Fall bei der Frau.
</p><p>In den 2000er Jahren sorgten Verurteilungen von Ehebrecherinnen zum Tod durch Steinigung für große Empörung, so etwa im Fall von <a href="Amina_Lawal" title="Amina Lawal">Amina Lawal</a> und <a href="Safiya_Hussaini" title="Safiya Hussaini">Safiya Hussaini</a> in Nigeria, die allerdings nicht vollstreckt wurden. Für durchgeführte Steinigungen s. <a href="Steinigung#Islam" title="Steinigung">Steinigung im Islam</a>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Alkoholgenuss">Alkoholgenuss</h3></div>
<p>Alkoholgenuss war im vorislamischen Arabien und in der frühislamischen Zeit, zur Zeit der Prophetie, sowohl bei Beduinen als auch bei Städtern verbreitet. Die Definition alkoholischer Getränke war je nach Region unterschiedlich: In Medina trank man <a href="Dattelwein" title="Dattelwein">Dattelwein</a> <i><span lang="ar-Latn" style="font-style:italic">nabiz</span></i> / <bdo dir="ltr"><bdi dir="rtl" lang="ar" class="arabic spanAr" style="unicode-bidi:isolate;font-size:120%;">نبيذ</bdi></bdo> / <i><span lang="ar-Latn" style="font-style:italic">nabīḏ</span></i>, wo aber auch der aus Weintrauben hergestellte <a href="Wein" title="Wein">Wein</a> aus <a href="Taif" class="mw-redirect" title="Taif">Taif</a> bekannt war: <i><span lang="ar-Latn" style="font-style:italic">chamr</span></i> / <bdo dir="ltr"><bdi dir="rtl" lang="ar" class="arabic spanAr" style="unicode-bidi:isolate;font-size:120%;">خمر</bdi></bdo> / <i><span lang="ar-Latn" style="font-style:italic">ḫamr</span></i>, der dann auch im Koran – später als Inbegriff für alle alkoholischen Getränke – an sechs Stellen Erwähnung findet. Traubenwein ist vor allem aus Syrien in den Süden importiert worden; die Händler waren Christen und Juden, die ihre Verkaufsstände in den Beduinenlagern und Städten hatten. Mit dem Weingenuss gingen auch das Glücksspiel <i><span lang="ar-Latn" style="font-style:italic">maisir</span></i> / <bdo dir="ltr"><bdi dir="rtl" lang="ar" class="arabic spanAr" style="unicode-bidi:isolate;font-size:120%;">ميسر</bdi></bdo> / <i><span lang="ar-Latn" style="font-style:italic">maisir</span></i>, Tanz und Gesang einher.
</p><p>
Es war zunächst nicht die Intention <a href="Mohammed" title="Mohammed">Mohammeds</a>, den Weingenuss in der medinensischen Gesellschaft zu verbieten. Denn in <a href="Sure_16" class="mw-redirect" title="Sure 16">Sure 16</a>, Vers 67 gilt Wein als ein Geschenk Gottes: </p><div class="Vorlage_Zitat" style="margin:1em 40px;">
<div style="margin:1em 0;"><blockquote style="margin:0;">
<p>„Und (wir geben euch) von den Früchten der Palmen und Weinstöcke (zu trinken), woraus ihr euch einen Rauschtrank macht, und (außerdem) schönen Unterhalt. Darin liegt ein Zeichen für Leute, die Verstand haben.“
</p>
</blockquote>
</div></div><p>
Die ebenfalls in Medina entstandene <a href="Sure_4" class="mw-redirect" title="Sure 4">Sure 4</a> verbietet den Gläubigen in Sure 4,43 lediglich, betrunken zum Gebet zu kommen: </p><div class="Vorlage_Zitat" style="margin:1em 40px;">
<div style="margin:1em 0;"><blockquote style="margin:0;">
<p>„Ihr Gläubigen! Kommt nicht betrunken zum Gebet, ohne vorher (wieder zu euch gekommen zu sein und) zu wissen, was ihr sagt!“<sup id="cite_ref-8" class="reference"><a href="#cite_note-8"><span class="cite-bracket">[</span>8<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
</blockquote>
</div></div>
<p>Erst in <a href="Sure_5" class="mw-redirect" title="Sure 5">Sure 5</a>,90 ff – die Entstehung dieser Verse datiert <a href="Theodor_N%C3%B6ldeke" title="Theodor Nöldeke">Theodor Nöldeke</a> auf das vierte Jahr nach der <a href="Hidschra" title="Hidschra">Hidschra</a> – wird das endgültige Verbot des Weingenusses und des Glücksspiels ausgesprochen:
</p>
<dl><dd><dl><dd>Sure 5,90: „Ihr Gläubigen! Wein, das Losspiel, Opfersteine und Lospfeile sind (ein wahrer) Greuel und des Satans Werk. Meidet es! Vielleicht wird es euch (dann) wohl ergehen.“<sup id="cite_ref-9" class="reference"><a href="#cite_note-9"><span class="cite-bracket">[</span>9<span class="cite-bracket">]</span></a></sup></dd>
<dd>Sure 5,91: „Der Satan will (ja) durch Wein und das Losspiel nur Feindschaft und Haß zwischen euch aufkommen lassen und euch vom Gedenken Gottes und vom Gebet abhalten. Wollt ihr denn nicht (damit) aufhören?“<sup id="cite_ref-10" class="reference"><a href="#cite_note-10"><span class="cite-bracket">[</span>10<span class="cite-bracket">]</span></a></sup></dd>
<dd>Sure 5,92: „Gehorchet Gott und dem Gesandten und nehmt euch in acht! Wenn ihr euch abwendet (und der Aufforderung nicht Folge leistet) müßt ihr wissen, daß unser Gesandter nur die Botschaft deutlich auszurichten hat.“<sup id="cite_ref-11" class="reference"><a href="#cite_note-11"><span class="cite-bracket">[</span>11<span class="cite-bracket">]</span></a></sup></dd></dl></dd></dl>
<p>Der Koran sieht bei Übertretungen des Wein-/Alkoholverbots keine Strafen vor; dies wird in der auf Mohammed und auf die ersten Kalifen zurückgeführten <a href="Sunna" title="Sunna">Sunna</a> in zahlreichen <a href="Hadith" title="Hadith">Hadithen</a> näher und kontrovers erörtert. Die Bestrafung durch Stockschläge bewegt sich zwischen 40 und 80 Schlägen. Es war auch notwendig, den koranischen Begriff <i>chamr</i> genauer zu definieren, da dieser sich ursprünglich nur auf den Traubenwein bezog. Somit entstanden schon recht früh Hadithe, die man als Aussagen sowohl des Propheten, als auch seiner unmittelbaren Anhänger überlieferte. So heißt es: „alles was berauscht ist verboten“, um dann daraus eine weitere Aussage abzuleiten: „alles was berauscht, ist <i>chamr</i> und somit verboten“. Die sicherlich gestellte Frage nach der noch erlaubten Menge des konsumierten Alkohols wird in den Hadithen wie folgt beantwortet: Von dem, wovon eine große Menge berauscht, ist auch eine kleine Menge verboten.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Straßenraub"><span id="Stra.C3.9Fenraub"></span>Straßenraub</h3></div>
<p>Straßenraub (<i>ḥirāba</i>, <i>qaṭʿ aṭ-ṭarīq</i>) wird mit Tötung, <a href="Kreuzigung" title="Kreuzigung">Kreuzigung</a>, kreuzweisem Abhacken von Hand und Fuß oder Vertreibung geahndet. <a href="Tauba" title="Tauba">Reumütige Umkehr</a> hat allerdings strafbefreiende Wirkung, wenn sie vor der Ergreifung des Straßenräubers erfolgt.<sup id="cite_ref-12" class="reference"><a href="#cite_note-12"><span class="cite-bracket">[</span>12<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Grundlage für diese Regelung ist Sure 5:33-34<sup id="cite_ref-13" class="reference"><a href="#cite_note-13"><span class="cite-bracket">[</span>13<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>: „Doch die Vergeltung derer, die gegen Gott und seinen Gesandten kämpfen und im Lande auf Unheil aus sind, die ist, dass sie getötet werden oder ihnen ihre Hände und Füße abgehauen werden, wechselweise rechts und links, oder sie aus dem Land vertrieben werden. Das ist Erniedrigung für sie hier in diesem Leben. Im Jenseits aber ist ihnen harte Strafe bestimmt, außer denen die bereuen, bevor ihr sie in eure Gewalt bekommt. So wisst, dass Gott bereit ist zu vergeben, barmherzig“ (Übersetzung <a href="Hartmut_Bobzin" title="Hartmut Bobzin">Hartmut Bobzin</a>). Der <a href="Malikiten" class="mw-redirect" title="Malikiten">malikitische</a> Gelehrte ʿAbd al-Wahhāb al-Baghdādī (st. 1031) erwähnt auch Gefangennahme (<i>ḥabs</i>) als eine mögliche Strafe für Straßenraub und stellt es der <a href="Idschtih%C4%81d" title="Idschtihād">Urteilsbemühung</a> des Herrschers anheim, die Strafe auszuwählen, die die größte abschreckende Wirkung hat.<sup id="cite_ref-14" class="reference"><a href="#cite_note-14"><span class="cite-bracket">[</span>14<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Verleumdung_wegen_Unzucht">Verleumdung wegen Unzucht</h3></div>

<p>Die Verleumdung betreffs Unzucht wird mit 40–80 Peitschenhieben bestraft (Sure 24, Vers 4),<sup id="cite_ref-15" class="reference"><a href="#cite_note-15"><span class="cite-bracket">[</span>15<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> sofern keine vier tauglichen Zeugen aussagen. Allerdings kann der Geschädigte auf die Bestrafung verzichten. In Sure 24, Vers 19 und 23 werden daneben jenseitige Strafen in Aussicht gestellt. Dokumentierte Fälle aus der Gegenwart zeigen, dass vergewaltigte Frauen nach erfolgter Vergewaltigung zusätzlich wegen fälschlicher Beschuldigung belangt werden, wenn sie – wie zu erwarten – keine vier Zeugen für das an ihnen begangene Verbrechen beibringen können.<sup id="cite_ref-16" class="reference"><a href="#cite_note-16"><span class="cite-bracket">[</span>16<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Diebstahl">Diebstahl</h3></div>
<p>Diebstahl (die Entnahme einer wertvollen, nicht-verderblichen, Muslimen erlaubten Ware, auf die man keinen Rechtsanspruch erheben könnte, aus einem wohlverwahrten Ort mit der Absicht, sie widerrechtlich zu behalten) wird mit Abhacken der rechten Hand, im Wiederholungsfalle mit Abhacken des linken Fußes bestraft (Sure 5, Vers 38)<sup id="cite_ref-17" class="reference"><a href="#cite_note-17"><span class="cite-bracket">[</span>17<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>. Die Person, die bestohlen wurde, muss ihren Besitz zurückverlangen; tut sie es nicht, werden keine Gliedmaßen abgetrennt. Für die Ausführung der Hadd-Strafe bedarf es der Aussagen zweier qualifizierter Zeugen. Der Beschuldigte wird auf die Möglichkeit des Geständnis-Widerrufs seitens des Richters hingewiesen.<sup id="cite_ref-18" class="reference"><a href="#cite_note-18"><span class="cite-bracket">[</span>18<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-19" class="reference"><a href="#cite_note-19"><span class="cite-bracket">[</span>19<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Siehe_auch">Siehe auch</h2></div>
<ul><li><a href="Hudood_Ordinances" title="Hudood Ordinances">Hudood Ordinances</a></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li><a href="Abdullahi_Ahmed_An-Na'im" title="Abdullahi Ahmed An-Na'im">Abdullahi Ahmed An-Na'im</a>: <i>Toward an Islamic Reformation. Civil Liberties, Human Rights, and International Law.</i> Syracuse University Press, Syracuse NY 1996, ISBN 0-8156-2706-8, S. 104–115 (Kapitel 6), (<i>Contemporary Issues in the Middle East</i>), (<a rel="nofollow" class="external text" href="https://books.google.com/books?id=U4e7Ph4lXzUC&amp;pg=PA104#v=onepage">eingeschränkte Online-Kopie</a> in der Google-Buchsuche-<a href="https://de.wikisource.org/wiki/Wikisource:Google_Book_Search#Nutzung_eines_US-Proxys" class="extiw external" title="s:Wikisource:Google Book Search">USA</a>)</li>
<li>Maribel Fierro: „Idra'u l-hudud bi-l-shubuhat: when lawful violence meets doubt“ in <i>Hawwa</i> 5 (2007) 208-38.</li>
<li>Antonia Fraser Fujinaga: Life and limb&nbsp;: irreversible hadd penalties in Iranian criminal courts and opportunities to avoid them. Dissertation, Edinburgh University, 2013 (<a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.era.lib.ed.ac.uk/handle/1842/7787">Digitalisat</a>)</li>
<li>Baber Johansen: „Eigentum, Familie und Obrigkeit im Hanafitischen Strafrecht. Das Verhältnis der privaten Rechte zu den Forderungen der Allgemeinheit in hanafitischen Rechtskommentaren“ in <i>Die Welt des Islams</i> 19 (1979) 1-73. Wiederabgedruckt in Baber Johansen: <i>Contingency in a Sacred Law. Legal and Ethical Norms in the Muslim Fiqh</i>. Leiden u.&nbsp;a. 1999. S. 349–420.</li>
<li>Rudolph Peters: Crime and Punishment in Islamic Law. Theory and Practice from the Sixteenth to the Twenty-first Century. Cambridge: Cambridge University Press 2005.</li>
<li>Frank E. Vogel: <i>Islamic Law and Legal System. Studies of Saudi Arabia.</i> Brill, Leiden u. a. 2000, ISBN 90-04-11062-3, S. 223–278 (Kapitel 6), (<i>Studies in Islamic Law and Society</i> 8).</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<ul><li><style data-mw-deduplicate="TemplateStyles:r261891140">
/* start https://de.wikipedia.org/ */


.mw-parser-output .webarchiv-memento a{color:inherit}


/* end https://de.wikipedia.org/ */
</style><a rel="nofollow" class="external text" href="https://web.archive.org/web/20040728233706/http://www.islamonline.net/fatwa/english/FatwaDisplay.asp?hFatwaID=79895">Schwangerschaft als Beweis für Zina?</a> (<span class="webarchiv-memento"><a href="Webarchivierung#Begrifflichkeiten" title="Webarchivierung">Memento</a></span> vom 28. Juli 2004 im <i><a href="Internet_Archive" title="Internet Archive">Internet Archive</a></i>)</li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://web.archive.org/web/20030103144806/http://www.islamonline.net/fatwa/english/FatwaDisplay.asp?hFatwaID=80635">DNA-Tests zulässig als Vaterschaftsbeweis?</a> (<span class="webarchiv-memento"><a href="Webarchivierung#Begrifflichkeiten" title="Webarchivierung">Memento</a></span> vom 3. Januar 2003 im <i><a href="Internet_Archive" title="Internet Archive">Internet Archive</a></i>)</li>
<li>Denis J. Wiechman, Jerry D. Kendall, Mohammad K. Azarian: <a rel="nofollow" class="external text" href="http://muslim-canada.org/Islam_myths.htm"><i>Islamic Law - Myth &amp; Realities</i></a> (englisch)</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Belege">Belege</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-johansen-386-1"><span class="mw-cite-backlink">↑ <sup><a href="#cite_ref-johansen-386_1-0">a</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-johansen-386_1-1">b</a></sup></span> <span class="reference-text">Vgl. Johansen 1999, 386.</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text">Vgl. Johansen 1999, 387.</span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text">Vgl. Johansen 1999, 388.</span>
</li>
<li id="cite_note-johansen-390ff-4"><span class="mw-cite-backlink">↑ <sup><a href="#cite_ref-johansen-390ff_4-0">a</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-johansen-390ff_4-1">b</a></sup></span> <span class="reference-text">Vgl. Johansen 1999, 390–392.</span>
</li>
<li id="cite_note-5"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-5">↑</a></span> <span class="reference-text">Vgl. Johansen 1999, 394.</span>
</li>
<li id="cite_note-6"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-6">↑</a></span> <span class="reference-text">Vgl. dazu
Peters 142-185.</span>
</li>
<li id="cite_note-7"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-7">↑</a></span> <span class="reference-text">Die Scharia von Christine Schirrmacher, 2. Auflage 2009, Seite 50–51</span>
</li>
<li id="cite_note-8"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-8">↑</a></span> <span class="reference-text"><a rel="nofollow" class="external text" href="http://corpuscoranicum.de/index/index/sure/4/vers/43">Sure 4,43</a></span>
</li>
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<li id="cite_note-13"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-13">↑</a></span> <span class="reference-text"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://web.archive.org/web/20160305143308/http://www.koransuren.de/koran/surenvergleich/sure5.html">Sure 5</a> (<span class="webarchiv-memento"><a href="Webarchivierung#Begrifflichkeiten" title="Webarchivierung">Memento</a></span> vom 5. März 2016 im <i><a href="Internet_Archive" title="Internet Archive">Internet Archive</a></i>)</span>
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<li id="cite_note-14"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-14">↑</a></span> <span class="reference-text">Vgl. ʿAbd al-Wahhāb al-Baghdādī: <i>Kitāb at-Talqīn fī l-fiqh al-mālikī</i>. Ed. Zakarīyā ʿUmairāt. Dār al-kutub al-ʿilmīya, Beirut, 1999. S. 152.</span>
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<li id="cite_note-19"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-19">↑</a></span> <span class="reference-text">Vgl. <a href="Saleh_ibn_Fawzan" class="mw-redirect" title="Saleh ibn Fawzan">Saleh ibn Fawzan</a>: <i> al-Mulakhkhas al-Fiqhi</i>, 2/442.</span>
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